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  Was ist Chiptuning? Welcher km-Stand? [Drucken]
 Erstellt: 09.09.2002 19:52:09  (Update: 04.01.2003 19:10:58)

Inhalt

1. Was ist Chiptuning?
2. Wo bringt es etwas?
3: Was muss man beachten?
4. Ab welchem Kilometerstand ist es sinnvoll?
5. Artikel: Kernschmelze bei TDI Motoren
6. Quellennachweise, Links und Sonstiges

1. Was ist Chiptuning?

In jedem modernen PKW ist heute ein Computer (Steuergerät) eingebaut. Dessen Aufgabe ist es, aus einer Vielzahl von Eingangssignalen, die diesem Gerät von Sensoren und Detektoren zur Verfügung stehen, Ausgangsgrößen für die Aktoren zu errechnen und auszugeben. Diese Sensoren sind z.B. Temperaturfühler, Drucksensoren, Winkelgeber etc. Die Aktoren sind dann z.B. Einspritzdüsen, Zündanlage.

Jeder Computer kann aber ohne Programm und den dazugehörenden Daten nichts anfangen. Bei einem normalen Home-Computer speichert man diese Programme und Daten auf Diskette oder Magnetplatte. Diese Medien sind jedoch für den Einsatz im Auto viel zu empfindlich.

Zum Speichern werden deswegen im KfZ-Steuergerät Eproms verwendet, in denen man diese Informationen fest "verdrahtet" abspeichert. Den Vorgang des Abspeicherns nennt man auch Brennen.

Da sich die Tunerei meist auf die Veränderung von Werten in diesem Bauteil (=Chip) beschränkt, hat sich für diesen Vorgang in der Umgangssprache der Ausdruck "Chiptuning" eingebürgert. In diesem Chip sind die Programme so abgespeichert, daß ein Computer auch damit was anfangen kann. Diese Dinger sind zwar schnell aber eigentlich saudumm, da sie ja nur Nullen und Einsen verarbeiten können. Das Zahlensystem mit nur der Null und der Eins nennt man "Binärsystem" die entsprechende Datei, die in diesem Chip gespeichert wird, Binärfile. Der Inhalt dieser in der Programmiersprache Assembler erstellten Datei ist auf den ersten Blick vollkommen unverständlich und für viele der Chiptuner auch auf den zweiten, sodaß viele dieser "FACHLEUTE" beim Verändern dieser Daten auf reine Probierei angewiesen sind. Kommt dann etwas Leistung, hat man getunt. Alles nach dem Motto "ich habe fertig". Es gibt leider Chiptuner, die auf Teufel komm raus in einem Chip ändern, ohne eigentlich auch nur im Ansatz zu wissen, welche Funktionen des Motors gerade verändert wurde. So etwas kann Ihnen bei einem renomierten Tuner, der in der Regel über die entsprechenden Dokumentationen der Werke verfügt, nicht passieren. Ganz ausschließen kann man das aber nicht, weil sich die Hersteller in letzter Zeit mit dem Rausrücken solcher Funktionsbeschreibungen sehr bedeckt halten.


3D-Ansicht des Ladedruckkennfelds eines 1.8T Motortunings (rot = geändert)

Erfahrene Chiptuner sind allerdings auch in der Lage ein brauchbares Ergebnis zu liefern, ohne daß derartige Unterlagen zur Verfügung stehen. Der Aufbau ist eigentlich immer ähnlich, sodaß mit entsprechenden Editoren auch die Kennfelder wieder entschlüsselt und entsprechend bearbeitet werden können. In Verbindung mit einem sogenannten Online-Simulator, der dem Tuner während des Betriebes des Motors dann anzeigt, an welcher Stelle des Kennfeldes dann gerade ein Wert abgefragt wird, ist dann ein gezieltes Tunen möglich. Nähere Informationen hierzu finden sich auf der Homepage der EVC-Electronic.
Wichtig für das optimale Einstellen (=tunen) ist nicht die Menge der Änderungen in einem Chip, sondern das gezielte "was an welcher Stelle".
In Fahrzeugen neuerer Bauart haben die Hersteller Computer in 16-bit Technik eingebaut und den Dateninhalt auf zwei Eproms verteilt. Die Programme sind durch spezielle Abfragen gegen Veränderung geschützt. Die Veränderung der Kennfelder in derartigen Steuergeräten ist daher nicht mehr so einfach zu bewerkstelligen. Viele Tuner bieten daher sogenannte externe Zusatzsteuergeräte als "eierlegende Wollmilchsau" an. Mit diesen Geräten wird jedoch meist nur eine Größe, wie z.B. das Steuersignal der Einspritzpumpe manipuliert. Näheres hierzu in "Was muss man beachten". Der einfachste Weg an Ihrer Kohle zukommen ist es allemal. Nicht umsonst wird von diesen Tunern auch gerne der Hinweis gebracht "wenn was passiert kann man das wieder ausbauen, ohne das man was sieht".


Platine eines Motronic Steuergerätes


2. Wo bringt es etwas?

Um es gleich vornweg zu nehmen: Nur da, wo das Werk den Spielraum gelassen hat. Glauben Sie keinem, der Ihnen weis machen will, Chiptuning wäre das Allheilmittel für jeden Fahrzeugtyp und würde in jedem Fall Mehrleistung bei weniger Verbrauch bringen.

Schwierig ist das "Optimieren" aller Sauger, egal ob Diesel oder Benziner. Chiptuning bringt hier wenig bis gar nichts, oft auch noch weniger, als die Serie schon hat. 10-15% Mehrleistung sind ohne gleichzeitige mechanische Aufarbeitung einfach nicht drin. 3-5% sind die Wahrheit, aber auch nicht immer. Wenn Sie Pech haben, säuft Ihr Fahrzeug nachher, klingelt und hat weniger Leistung. Es ist schon vermessen, wie vollmundig manche Tuner die Werkingenieure allesamt zu Deppen erklären und ihr eigenes Gestochere in den Programmständen als den wahren Jabob in den siebten Himmel loben.

Verlangen Sie ein echtes Leistungsdiagramm, kein nachgemaltes, wie sie oft im Internet dargestellt sind. Auf diesen Diagrammen haben z.B alle VAG-TDI immer nur die Nennleistung, obwohl fast alle in der Serie schon 10% über den Werksangaben liegen. Die durch Chiptuning erreichte "Mehrleistung" wird dann auch noch oft mit überzogenen Verlustleistungen beschönigt. Es gibt aber auch Tuner, die in ihren Angaben unter dem tatsächlich erreichten bleiben.

Ausnahmen sind die Fahrzeuge, die vom Werk her baugleich aus versicherungstechnischen Gründen gedrosselt angeboten werden. Da kann man sich aber besser gleich die PS stärkere Version kaufen, das bessere Tuning macht allemal das Werk.


Echtes Leistungsdiagramm von einem Bosch FLA 206 Prüfstand


Das kann jeder: manuell bearbeitete Leistungskurve, wie sie oft im Internet zu finden ist

Textansicht des Ladedruckkennfelds eines 1.9TDI Motortunings (rot = geändert)

Ein lohnendes Bestätigungsfeld bieten alle Turbo-Fahrzeuge, Diesel wie Benziner. In der Regel beträgt der Leistungszuwachs je möglicher Ladedruckerhöhung um 0.1 bar ca. 10% der Ausgangsleistung bei entsprechender Anpassung der Zündungs- und Einspritzkennfelder.

Problemlos ist in der Regel die Aufhebung der Geschwindigkeits- (V-max) und Drehzahlgrenze. Auf Wunsch kann auch z.B. bei Auflagen im Führerschein, vom Tuner die Endgeschwindigkeit runterprogrammiert werden.


3. Was muss man beachten

Der Preis sollte nicht im Vordergrund stehen. Es kommt immer darauf an, was man für sein Geld erhält. Es ist schon ein wesentlicher Unterschied, ob man für DM xxx bei einem Tuner die Elektronik auf dem Prüfstand abgestimmt bekommt oder einen Chip von der Stange, der auf alles passen soll. Das Teuerste an diesem sind die Nachnahme- und die Versandkosten. Woher kommt eigentlich dieses Mißtrauen??

Wenn es schon ein Chip von der Stange sein soll, fragen Sie nach der Telefonnummer des letzten Kunden im Postleitzahlgebiet XY und rufen Sie dort an.

Ziehen Sie den Tuner vor, zu dem Sie hinfahren können. Wenn er dann noch über einen Leistungsprüfstand verfügt ..........!

Verlangen Sie sich ein vorbehaltloses Rückgaberecht für den Fall, daß die versprochene Leistung nicht zu realisieren ist. Fragen Sie, ob bei Verbesserungen und neuen Erkenntnissen "Updates" zur Verfügung gestellt werden und was die kosten.

Stellen Sie sicher, daß ohne größere Probleme rückgebaut werden kann. (Glauben Sie nicht an die Gutachten, zum TÜV kann man auch mit was anderem gefahren sein)

Von etlichen Tunern wird eine Alternative zum herkömmlichen Chiptuning angeboten. Das Geheimnis liegt in der Signalmanipulation durch ein Zusatzsteuergerät. Vor diesen, vor allem für Turbodieselfahrzeuge angebotenen Blackboxen, kann man nur warnen. Meist wird nur das Signal der Einspritzmengenregelung beeinflußt, und für alle Betriebszustände pauschal die Einspritzmenge erhöht, was dann zu unkontrolliertem Einspritzen auch gegen die Zylinderwände führt. Andere wichtige Stellgrößen, wie Laderuck und Spritzbeginn, können nicht angepaßt werden, Rußbildung und erhöhte Kolbentemperaturen sind die Folge. Bei Kolbenbodentemperaturen jenseits der 400º sind dann schwere Schäden unvermeidbar. Der Schmierfilm reisst ab. Gerade die neueren TDI Motoren, wie z.B. 90 PS Passat (Steuergerät 018P) quittieren dann mit einem Riß des Kolbens den Dienst. Glauben Sie ja nicht, die Garantieabteilung des Werkes wüßte dann nicht, warum das passiert ist.
Blackbox für Common Rail Dieselfahrzeuge
Update vom 22.8.2001: Der hier veröffentlichte Beitrag zu den TDI "Power-Boxen" ist von 1999. In der Zwischenzeit wurden diese Zusatzsteuergeräte weiterentwickelt und verbessert. Augenfälligstes Merkmal bei den Power-Boxen neuerer Generation ist, dass sie neben der Pumpensteuerleitung über einen zusätzlichen Anschluss für den Ladedruck und Gaspedalsensor verfügen. Das Prinzip der Verfälschung der an das Steuergerät gelieferten Daten bleibt aber auch dadurch unverändert, ist aber nicht mehr schwerwiegend wie bei den Zusatzgeräten der älteren Generation. Hier ein Text aus dem Chiptuning-Forum von Benutzer Thorsten, der die Arbeitsweise der neueren Power-Boxen so beschreibt:

"ich finde den pauschalen Verriss von sog. externen Steuereinheten (gern als Mogelbox abgetan) etwas übertrieben. Man muß unterscheiden zwischen den relativ simplen Incrementoren (Kennlinie Einspritzmenge) und den recht komplexen externen Steuerboxen, wie sie z.B. von PSI Motorsport angeboten werden. Ob ein Kennfeld nun komplett feineingestellt wird (Tuning) und in geänderter Form im Flash EProm abgelegt wird, oder ob durch "abhorchen" der Daten des Steuergerätes eine nachträgliche (aber nicht pauschale) Neuberechnung erfolgt ist dann wohl egal. Resultat ist ein modifiziertes Kennfeld, welches sich bei den Boxen nur viel näher an das "Original" anlehnt, was aber sicher nicht schlecht sein muß. Wer das nicht glaubt, der kann es ja mal nachmessen und die Kennfelder vor und hinter der Box mit Kennfeldern vor und nach dem Chiptausch vergleichen (die Überraschung ist sicher). Ich stimme zu, daß eine pauschale "Mehreinspritzung", wie es billige Ladedruckunabhängige Incremetoren tun, eine "Motorvergewaltigung" darstellt. Der digitale Signalprozessor guter Boxen macht es sich da nicht so einfach. Man erhält hinterher keine rauchende Diesellok.
Mal ehrlich, die meisten "Chiptuner" klonen ihre einmal modifizierten Kennfelder und die angebliche "Feineinstellung" auf die spezifischen Daten des jeweiligen Fahrzeugs entfällt. Leztere mutiert aufgrund von Profitgier lediglich in ein abchecken, daß man bei den vielen erhältlichen Chips auch ja den richtigen für das jeweilige Steuergerät einbaut. So gut können es die modernen DSP (digitaler Signalprozessor) Boxen auch. Zugegeben, wenn man die Kennlinienadaption individuell austesten würde (für den, der seine Ansaugbrücke poliert) kann man sicher das eine oder andere kW mehr rausholen. Wer sowas will, sollte einen glaubhaften Chiptuner auswählen und bei den Messungen dabeibleiben."

Die allgemeine Betriebserlaubnis erlischt mit Veränderung der Elektronik. Der Versicherungschutz geht in der Regel ebenfalls verloren. Der Chiptuner wird Sie darauf hinweisen müssen, sofern seine Veränderungen keine ABE (allgemeine Betriebserlaubnis) haben, was allerdings in den seltensten Fällen der Fall sein dürfte. Der Betrieb derart veränderter Fahrzeuge auf öffentlichen Straßen ist eigentlich nicht erlaubt und wenn man´s ganz genau auslegt, auch strafbar. Ein ganz pfiffiger Staatsanwalt könnte auch auf die Idee kommen, daß derartige Angebote eigentlich auch als Anstiftung zum Begehen einer Straftat ausgelegt werden könnten. Aber wo kein Kläger, da kein Richter, und selbst die lassen Chiptunen.

Das Werk ist nicht verpflichtet, Schäden innerhalb der Gewährleistungszeit zu regulieren, sofern diese ursächlich mit der Veränderung des Steuergerätes in Zusammenhang stehen.

Das Risiko eines Motorschadens bleibt dann bei Ihnen, die Garantie des Tuners bezieht sich in der Regel nur auf die verwendeten Bauteile (Eproms). Eventuelle Schäden werden gerne dem Werk untergeschoben. Viele Tuner raten alleine deswegen schon bei etwas älteren Fahrzeugen vom Chiptuning ab.

Fragen Sie nach einer Zusatzgarantie für Motor- und Getriebe. Viele Tuner bieten diese recht kostengünstig an.


4. Ab welchem Kilometerstand darf man ein Chiptuning vornehmen?

Wir haben eine Umfrage bei mehreren Tunern gemacht. Folgende Antworten erhielten wir:

Antwort von Digit-Power (CH): "Wir empfehlen Ihnen, dass Sie Ihr Fahrzeug auf 2'000-3'000km einfahren und dann die Elektronikoptimierung vollziehen. Ebenso legen wir Ihnen ans Herz, gleich von Anfang an Super Plus 98 Oktan zu tanken."

Antwort von MTM: "Der Kilometerstand macht nicht aus. Wir haben ab und zu sogar Neufahrzeuge hier, die aus der Audi AG abgeholt wurden."

Antwort von TopCar: "Wir empfehlen Ihnen, das Auto erst ca. 1'500-2'000km einzufahren. "

Antwort von Sportec: "Das Tuning ist sinnvoll beim Audi S3 zwischen 2'000 - 3'000 Km (je nach Fahrzeugmodell und - Typ unterschiedlich)."

Antwort von B&B: "Viele unserer Kunden bekommen Ihr Neufahrzeug von Ihrem Autohaus schon in getuntem Zustand ausgeliefert und fahren dann den Wagen ganz normal nach Betriebsvorschrift ein. Sie können natürlich auch erst 1.000km serienmäßig einfahren - aber es ist völlig egal ab welchem KM-Stand man frühestens umrüstet."

Antwort von Abt: "Eine Leistungssteigerung ist bei Ihrem Fahrzeug sowohl im Neuzustand als auch bei einer Laufleistung von beispielsweise 30.000 km durchführbar."

Antwort von Nowack: "das Tuning Ihres Fahrzeuges kann ab einem Km-Stand von ca. 1.000 - 1.500 durchgeführt werden."

Antwort von Wimmer: "Das Fahrzeug sollte ca. 1000 bis 1500 Kilometer eingefahren werden bevor man die
Softwareoptimierung durchführt!"


5. Artikel: Kernschmelze bei TDI-Motoren

Chip-Tuning an Turbodiesel-Motoren verspricht theoretisch billige Mehrleistung. Die Praxis sind teure Motorschäden, wenn bei der Auswahl der Tuningmaßnahmen gepfuscht wurde.

Beim Stichwort Chip-Tuning bekommt Richard Bauder, der Entwicklungsleiter der erfolgreichen TDI-Motorenfamilie von VW und Audi, ein Gesicht wie ein Fußballfan nach einer Heimniederlage: "Da wird viel Schrott gebaut. Meine Werksingenieure sind die besten Tuner. Sie wissen, was optimiert werden muss."

Der Audi-Serviceleiter Anton Heindl unterstreicht diese Abneigung: "Rund eine Million unserer TDI-Motoren laufen weltweit. Mit nur 120 gemeldeten Motorschäden sind sie sehr standfest, zumal bei 100 dieser Motorschäden der begründete Verdacht auf unsachgemäß ausgeführtes Chip-Tuning besteht."

Das Problem der Kundendiensabteilungen: Die Tuningmaßnahmen am TDI sind sehr unauffällig auszuführen. Ein paar elektronische Bauteile in Verbindung mit einer elektrischen Schaltung reichen aus, um den TDI-Motor von 90 auf 110 PS zu bringen. Dabei wird dem Motormanagement oft nur eine etwas höhere Luftmenge im Brennraum vorgegaukelt. Die Einspritzung reagiert folgerichtig mit einer größeren Einspritzmenge, und Richard Bauder weiß: "Ein wenig mehr Leistung und bedeutend mehr Ruß sind die logische Folge."


3D-Ansicht des Russkennfelds eines 1.9TDI Motortunings

Auch wenn der Chip-Tuner eine kundige Hand beim Umgang mit der Rußgrenze haben sollte, bleiben noch viele Möglichkeiten, dem flotten Diesel den Garaus zu machen. Die Audi-Ingenieure verwenden für ihren 110-PS-Serienmotor einen größeren Ölkühler, größere Einspritzdüsen, einen anderen Lader mit verstellbaren Leitschaufeln und eine veränderte Einspritzcharakteristik.
Solche Umbaumaßnahmen würden die Möglichkeiten eines Tuners bei weitem sprengen. Doch auch so sind die Tuningangebote, die bis zu 30 Mehr-PS für rund 1.300 Mark versprechen, großzügig kalkuliert. Der VW-Entwicklungsingenieur Hanno Jelden sagt: "Die Steuergeräte der Tuner enthalten Bauteile im Wert von knapp 20 Mark. Nur die Gehäuse der Tuningkits, die häufig zwischen Kabel und Stecker des Motormanagements eingesteckt werden, stammen aus dem Ersatzteillager. Mit VW-Prägung sehen sie seriös aus."

Gängiger Fehler der Chip-Tuner: Sie wollen zu viel Leistung. Deshalb spritzen ihre Tuningprogramme zu lange ein. Dabei erwischen die Einspritzstrahlen der Düse den Kolben, der im Arbeitstakt nach unten gleitet. Die folgenden Detonationen direkt an der Kolbenoberfläche zerstören den Motor.

Den BMW-Kundendienst plagen die gleichen Probleme: Das elektronische Motormanagement, das seit Baujahr 1988 für den Turbodiesel verwendet wird, lässt sich durch einfache Kits gründlich austricksen. Die Tuner versprechen in Anzeigen bis über 170 PS.

BMW-Entwicklungsingenieur Helmut Halbmeyr: "Dabei ignoriert der Tuner schlicht, dass Motoren bei Leistungserhöhung tief gehend modifiziert werden müssen. Allein um den 2,5-Liter-Turbodiesel von 260 auf 280 Newtonmeter zu steigern, verwenden wir Ventile mit höherem Nickelgehalt und einen Zylinderkopf mit optimierten Wasserkanälen."

Wer die Mehrleistung konsequent nutzen möchte, der ist nur mit dem stärkeren Werksmotor richtig bedient

BMW hat das Chip-Tuning ab Werk ebenso verboten wie Audi und VW. Anders als bei den TDI-Motoren steht hinter dem BMW-Tuningverbot ein technischer Grund: Der 2,5-Liter-Turbodiesel ist bereits in serienmäßigem Zustand mit einer Nennleistung von 143 PS nicht ganz unproblematisch. Vor Jahrgang 1995 haben diese Motoren immer wieder Schwierigkeiten mit der Kopfdichtung, auch tiefe Risse im Kopf sind keine Seltenheit.

Renommierte Tuner wie AC Schnitzer in Aachen lassen deshalb die Finger vom BMW mit tds-Motor. Das unterscheidet sie von den TDI-Spezialisten bei VW und Audi: Wenn der Tuner hier gefühlvoll vorgeht, kann er ein paar mechanische Reserven der TDI-Motoren aktivieren, die in der Serienversion ungenutzt bleiben.

Richard Bauder: "Wenn die höhere Leistung des Tuningmotors nur gelegentlich genutzt wird, kann der Motor sogar halten. Wer die Mehrleistung jedoch konsequent für höheres Durchschnittstempo nutzen möchte, der ist auf Dauer nur mit dem stärkeren Werksmotor richtig bedient."

Durch Chip-Tuning hingerichtete Motoren werden zuverlässig entlarvt und aussortiert

Der Fahrer eines getunten TDI könnte jetzt den Tuning-Chip mit wenigen Handgriffen wieder ausbauen - der vorübergehende Eingriff wäre nicht nachweisbar.

Doch die Kundendienst-Ingenieure kennen alle Anzeichen für Chip-Tuning so gut wie das Kachelmann-Team die Großwetterlage: Sobald ein rauchender TDI-Motor in einer Vertragswerkstatt auftaucht, wird der Schaden zuerst an den zentralen Kundendienst gemeldet, noch bevor zur Diagnose die Haube geöffnet ist.

Der VW-Kundendienstchef Hermann Wohlleb berichtet, "dass wir bei den wenigen Motoren, die durch Montage- oder Einstellfehler eingehen, sehr großzügige Garantieleistungen anbieten können. Durch Chip-Tuning hingerichtete Motoren werden jedoch zuverlässig entlarvt und aussortiert." Folgekosten für den Besitzer: Ein TDI-Tauschmotor kostet bis zu 8000 Mark.


6. Quellennachweise, Links und Sonstiges

  • Der grösste Teil der Infos stammt von Epromer, nochmals vielen Dank für seine tolle Unterstützung!
  • Der Kernschmelze TDI Artikel stammt von www.autouniversum.de, mit freundlicher Genehmigung
  • Diverse eigene Abklärungen bei Tunern
 
-- Wir übernehmen keine Haftung für die Richtigkeit der genannten Tipps/Informationen --
 
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